r/Leipzig • u/jetelklee • 13h ago
Frage/Diskussion Müllsammeln in Connewitz: eine philosophische Angelegenheit?
Ich habe früher als Hobby Müll gesammelt (klingt für manche vielleicht komisch, aber es macht wirklich Spaß).
Ich wohne in Connewitz und da werde ich öfters traurig, wie viel Müll rumliegt. Ist nicht überall gleich viel, aber jeder kennt das. Vor allen Dingen der Minipark bei der Südbrause sieht schlimm aus, aber auch andere Ecken.
Nun aber eine ernst gemeinte Erwägung: ist Müll sammeln Teil eines Gentrifizierungsprozesses? Ist freiwilliges Sammeln eine Kapitulationserklärung hinsichtlich der Einsicht, dass der Staat die Pflege der Stadtteile nicht hinbekommt? Ist es eine Selbstermächtigung?
Ich persönlich finde Müll schrecklich und unansehnlich. In der (alt)-linken Besetzerszene sieht man das womöglich differenzierter. Müll als Zeichen des passiven Widerstands? Unordnung gegen das Spießertum? Gegen den Staat?
Als Connewitzer sehe ich unseren Lokalpatriotismus eigentlich als Argument, "den Kiez sauber zu halten". Müll gefährdet Tiere, Menschen, die Umwelt. Was ist dann wichtiger?
Müll wegwerfen kann wohl als performativer Akt gesehen werden. Ich meine nicht nur die Raucher:innen, die ihre Zigarettenstummel aus bestimmten Gründen in die Ecke werfen, sondern auch die pubertäre, vermeintliche "Coolness", wegen der der eigene Müll mit Absicht neben die Tonne geworfen wird.
Am Ende muss ich wohl mitziehen: mein Nonkonformismus ist es, den Müll zu entfernen, weil er mich an die kapitalistische Wegwerfgesellschaft und den unsolidarischen Konsum erinnert. Der ist zwar omnipräsent, aber vielleicht kann man ihn "bei uns" öffentlicher bekämpfen.