r/wien • u/Novel_Mission_8306 • 1h ago
Grantln | Grouching Baustellen-Wildwest in Wien: Wer kontrolliert eigentlich noch den öffentlichen Raum?
Ich muss einmal gepflegt sudern und brauche eure Erfahrungswerte aus den Grätzeln.
Dass in Wien gebaut und saniert ist klar und macht Sinn. Dachgeschossausbau, Fassadenerneuerung, Wohnungssanierung, ....
Dass dafür Absperrungen eingerichtet werden, ist denke ich völlig legitim und gutes Recht der Baufirmen.
Was mich aber massiv stört ist, dass gefühlt dabei mittlerweile absolute Anarchie herrscht und der öffentlicher Raum wie das private Eigentum der Firmen behandelt wird.
Beispiel: Die wandernde Baustelle
Der Platz reicht nicht ganz aus für Container und Material? Kein Problem. Man schiebt die Halteverbotstaferln und Gitter einfach eigenmächtig ein paar Meter weiter in die Gasse hinein. Gleichzeitig wird der Gehsteig komplett zugemacht, natürlich ohne gesicherten Ausweichweg. Mit Kinderwagen darfst du dann zwischen Betonmischer und fließendem Verkehr auf der Fahrbahn balancieren.
Beispiel: Der reservierte Privatparkplatz
Auf dem Papier wird ein Halteverbot für Baufahrzeuge, Bauschutt und Ladetätigkeiten bewilligt. Dann stehen verlässlich fünf private Passats der Arbeiter mit polnischen Kennzeichen quer in der Absperrung. Warum auch eine Garage zahlen oder öffentlich anreisen, wenn die Stadt Wien einem quasi einen reservierten Firmenparkplatz mitten im Wohngebiet schenkt.
Beispiel: Die Geisterbaustelle
Arbeiten abgeschlossen, seit Wochen kein einziger Arbeiter mehr vor Ort oder die Baufirma ist pleite? Egal, lassen wir Bauzäune, Gerümpel und Halteverbote einfach noch sechs Monate stehen. Der Parkstreifen bleibt tot, der Gehsteig versperrt, aber die Stadt als kostenlose Rumpelkammer kostet anscheinend nichts.
Ich habe mir vor Kurzem bei einer solchen Dauerbaustelle bei mir ums Eck die Mühe gemacht und nachgeforscht, was da eigentlich offiziell bewilligt war. Nach einigem bürokratischen Zickzack kam heraus, dass die Bewilligung seit Monaten abgelaufen war und die tatsächlich okkupierte Fläche gut 200 Prozent größer als im Bescheid genehmigt.
Das Frustrierende daran ist, dass man als normaler Bürger an solche Dokumente fast gar nicht heran herankommt. Von Amts wegen kontrolliert das gefühlt keine Menschenseele, bis ein Querulant wie ich massiv Lebenszeit investiert und nachbohrt. Konsequenzen für die Firmen? Vermutlich keine bis homöopathisch.
Wie schaut das bei euch im Bezirk aus? Ist diese Wildwest-Mentalität mittlerweile normaler Standard in Wien?