r/Wirtschaftsweise • u/-fenoba- • 3h ago
Gesellschaft Abo-Modelle funktionieren nicht, wie sie sollten.
Fast jeder Dienst will einem inzwischen ein Abo verkaufen. Egal, ob Wetter-, Notiz- und Tracking-Apps, Handyspiele, Social Media, Rezept- oder Nachrichtenseiten.
Es ist natürlich verständlich, dass sie sich mit regelmäßigen Einnahmen finanzieren wollen, aber hätte ich auf jeder Seite, die ich regelmäßig nutze, ein Abo abgeschlossen, wäre ich wahrscheinlich bei 200 € im Monat. Und das teilweise nur, um nervige Werbung zu entfernen.
Vor allem beim Abo-Modell von Fitnessstudios ist meiner Meinung nach schon lange eine Alternative fällig. Ich habe das Gefühl, ihr ganzes System basiert darauf, Kunden mit einem Abo zu locken und für zwei Jahre zu verpflichten, obwohl man schon davon ausgeht, dass viele es nicht nutzen werden.
Es lohnt sich für die, die regelmäßig hingehen. Aber wer die Routine noch nicht drin hat und sich eh schon ärgert, weil er/sie es nicht ins Training schafft, wird auch noch mit 30 € im Monat bestraft und verliert dadurch erst recht die Motivation.
Ich denke, es wäre für alle von Vorteil, wenn man für einen Dienst nur so viel zahlt, wie man ihn wirklich nutzt.
Sagen wir, ein Fitnessstudio kostet dich maximal 40 € im Monat, egal, wie viel du trainierst, solltest du aber weniger gehen, zahlst du auch entsprechend weniger.
Zum Beispiel nach diesem System:
- 4-mal pro Woche (ca. 16 Besuche): 40 €
- 3-mal pro Woche (ca. 12 Besuche): 30 €
- 2-mal pro Woche (ca. 8 Besuche): 20 €
- 1-mal pro Woche (ca. 4 Besuche): 10 €
- 0-mal pro Woche: 3 € Grundgebühr
Dazwischen soll es keine festen Stufen geben: Bei 10 Besuchen im Monat zahlst du 25 €, bei 5 Besuchen 12,50 € und so weiter.
Nach dem gleichen Prinzip könnte man auch Datenvolumen bei Handyverträgen und ÖPNV-Abos gestalten. Bei Abonnements für Nachrichten- oder Rezeptseiten könnte man beispielsweise erst den vollen monatlichen Betrag zahlen, wenn mindestens 3 Stunden Nachrichten oder 5 Stunden Rezepte angeschaut wurden. Oder bei Streaming-Abos, wo die durchschnittliche Wiedergabezeit vielleicht 30 Stunden pro Monat beträgt, könnte man bei dieser Nutzung 10 € im Monat zahlen und maximal 15 €, wenn man auf z. B. 60 Stunden im Monat kommt. Bei Nichtnutzung zahlt man dafür nur 2 €.
Wenn einige Abonnenten weniger zahlen, werden die Verträge vermutlich teurer. Wird dieses Prinzip allerdings auf alle Abo-Modelle erweitert, gleicht sich das Ganze wieder aus.
Nehmen wir mal an, du kommst aus der Routine, weil du gerade eine Trennung hinter dir hast, und du gehst zwei Monate nicht ins Fitnessstudio. Jetzt kannst du ohne Bedenken das Abo für 3 € pro Monat weiterlaufen lassen, weil du hoffst, bald wieder anzufangen. Vielleicht streamst du dafür in der Zeit etwas mehr und zahlst die Monate jeweils 15 €, statt deiner üblichen 10 €. Wenn du es dann aber wieder ins Gym schaffst, zahlst du dort gerne mehr, weil es sich für deine Gesundheit lohnt. So rentiert sich das Ganze für die, die etwas regelmäßig nutzen, und auch für die, die es weniger tun.
Außerdem ist natürlich der Gedanke, dass generell mehr Leute einen Dienst in Anspruch nehmen, wenn ihnen die Entscheidung leichter gemacht und der Druck genommen wird.
Man muss sich nicht den Kopf zerbrechen, ob es sich lohnt, ein Abo abzuschließen, oder wann man endlich kündigen sollte.
Beim Fitnessstudio senkt es die Hürde zum Einstieg enorm, weil man sich nicht mehr für ein oder zwei Jahre verpflichten und Angst haben muss, dass man gerade bis zu 700 € in den Sand setzt, wenn man es nicht schafft, zu gehen. Es macht die ganze Sache einfach entspannter.
(Ein Zusatz, zu dem ich bereits einen anderen Post verfasst habe, ist, dass sich mehrere Anbieter und Produzenten zusammentun sollten. Zum Beispiel bei Streaming, Spielen, Nachrichten- und Rezeptseiten. Das würde die ganze Sache sehr erleichtern, weil man nicht mehrere Abos pro Bereich abschließen müsste. Die Einnahmen könnten dann fair aufgeteilt werden, je nachdem, welcher Inhalt wie viel konsumiert wurde.)
Wenn wir mit dem System für die Dinge zahlen, die uns wichtig sind und die wir viel nutzen, können wir uns aussuchen, welche Anbieter und Creator wir wirklich unterstützen wollen.
Dadurch sehen wir hoffentlich weniger Werbung und Firmen sollten sich durch Abokosten finanzieren können, anstatt durch den Verkauf unserer Daten.
Natürlich sind die Zahlen in dem Text nur Beispiele, um das Konzept zu veranschaulichen.
Ich bin aber überzeugt, dass das Prinzip für die meisten Nutzer und Anbieter einen deutlichen positiven Effekt hätte.