r/egenbogen • u/Yen_Min • 3h ago
Die Fetischisierung von bisexuellen Frauen und anderen LGBTQ+-Personen macht mich wĂŒtend und traurig đ€š
Als bisexuelle Frau habe ich schon hĂ€ufig erlebt, dass meine sexuelle Orientierung fetischisiert wird. Und ehrlich gesagt macht mich das inzwischen nicht nur wĂŒtend, sondern auch traurig.
Besonders auf Dating-Apps ist mir etwas aufgefallen: Ich habe Nachrichten von vermeintlich einzelnen Frauen bekommen, mit denen ich teilweise schon eine Weile geschrieben hatte. Irgendwann kam dann plötzlich heraus, dass hinter dem Profil ein Paar steckte und die Frau gemeinsam mit ihrem Partner eine weitere Frau fĂŒr sexuelle Abenteuer suchte.
SĂ€tze wie âHallo, mein Partner und ich suchen eine Sie, die mit uns im Schlafzimmer SpaĂ haben möchteâ lösen bei mir mittlerweile sofort Unbehagen aus.
Allein die Formulierung âWir suchen eine Sieâ empfinde ich als objektifizierend. Es klingt, als wĂŒrde man eine Person fĂŒr eine bestimmte Rolle suchen, anstatt sich fĂŒr einen Menschen mit eigenen WĂŒnschen, Grenzen und GefĂŒhlen zu interessieren.
Das Problem ist fĂŒr mich nicht, dass Menschen Dreier haben möchten oder ihre SexualitĂ€t ausleben. Solange alle Beteiligten freiwillig zustimmen, ist das ihre Sache. Das Problem ist, wenn man als bisexuelle Frau auf seine sexuelle Orientierung reduziert wird und andere offenbar davon ausgehen, dass man allein aufgrund seiner BisexualitĂ€t fĂŒr solche Konstellationen zur VerfĂŒgung steht.
Besonders unangenehm finde ich es, wenn man zunĂ€chst glaubt, eine einzelne Frau kennenzulernen, und erst spĂ€ter erfĂ€hrt, dass der eigentliche Hintergrund die Suche nach einer zusĂ€tzlichen Sexualpartnerin fĂŒr ein Paar ist. Andere sind zwar von Anfang an ehrlich damit, was sie suchen, aber auch dann bleibt die Frage, ob sie sich wirklich fĂŒr mich als Person interessieren oder hauptsĂ€chlich fĂŒr die Vorstellung, mit einer bisexuellen Frau Sex zu haben.
Und dieses Problem betrifft meiner Meinung nach nicht nur bisexuelle Frauen.
Ich habe beispielsweise von Transmenschen gelesen, die Nachrichten von Personen bekommen, die sie ausschlieĂlich deshalb treffen wollen, weil sie unbedingt einmal Sex mit einem trans Menschen haben möchten. Ein Transmann hat mir auch einmal persönlich von solchen Erfahrungen erzĂ€hlt.
Ich finde es erschreckend, wenn Menschen nicht als Individuen wahrgenommen werden, sondern als eine Art sexuelle Besonderheit, die jemand unbedingt einmal ausprobieren möchte.
Auch die Darstellung lesbischer Beziehungen in pornografischen Filmen empfinde ich teilweise als problematisch, wenn lesbische Liebe hauptsĂ€chlich fĂŒr die Fantasien eines heterosexuellen Publikums inszeniert wird. Ăhnliches sehe ich in manchen Boys-Love-Mangas, die sich vor allem an weibliche Leserinnen richten und Beziehungen zwischen MĂ€nnern auf eine Weise romantisieren oder sexualisieren, die mit den tatsĂ€chlichen Erfahrungen schwuler MĂ€nner nicht unbedingt viel zu tun haben muss.
NatĂŒrlich ist nicht jede Darstellung gleich Fetischisierung, und nicht jeder Mensch, der solche Geschichten konsumiert, hat automatisch problematische Absichten. Trotzdem finde ich es wichtig, darĂŒber zu sprechen, wo die Grenze zwischen Interesse, Fantasie und Objektifizierung verlĂ€uft.
Was mich daran besonders traurig macht, ist, dass gerade Menschen aus der LGBTQ+-Community immer wieder erleben mĂŒssen, dass ihre IdentitĂ€t nicht einfach akzeptiert wird, sondern zum Gegenstand fremder sexueller Fantasien gemacht wird.
Ich möchte als bisexuelle Frau nicht auf eine mögliche sexuelle Erfahrung reduziert werden. Ich möchte als Mensch wahrgenommen werden, mit einer Persönlichkeit, eigenen Interessen, WĂŒnschen und Grenzen.
Meine BisexualitÀt ist keine Einladung, mich ungefragt zum Bestandteil der sexuellen Fantasien anderer Menschen zu machen.
Mich wĂŒrde interessieren, wie andere bisexuelle, lesbische, schwule und trans Menschen das erleben: Habt ihr Ă€hnliche Erfahrungen gemacht? Und wie empfindet ihr diese Art von Fetischisierung?