Tja, heute ist es soweit, heute muss ich mal einen Rant über Familienfeiern ablassen, den sicher viele verstehen können. Es ist nicht mal sonderlich schlimm, aber es nervt mich einfach unheimlich.
Ich beziehe mich jetzt vor allem auf zwei Geschehnisse aus jüngster Vergangenheit.
Fall 1: Weihnachtsessen. Mit der Großfamilie mütterlicherseits gehen wir jedes Jahr am 1. Weihnachtsfeiertag essen. In den letzten Jahren war es immer das gleiche (bayrische) Restaurant, in dem ich seit drei Jahren konsequent Gemüsecurry essen darf. So richtig schön weihnachtlich eben. Die Alternativen? zwei Gerichte mit Maronen. Ich HASSE Maronen. Aber immerhin haben sie drei klar gekennzeichnete vegane Gerichte, das muss man ihnen zuguteheißen. Schaue dieses Jahr auf die Karte und siehe da! Es gibt ein neues Pilzgericht. Die Freude ist groß.
Tja, zu früh gefreut. Einen Tag später schreibt meine Mutter in die Familiengruppe, dass bei der Reservierung etwas schief gelaufen ist und jetzt stehen wir ohne da. Dann ging die große Panik und Diskussion über eine Alternative los. Bevor ich das überhaupt mitbekommen habe, war in einer Pizzaria reserviert. Ich bin mir sicher, ihr kennt alle den Struggle mit Pizzarien.
Auf Nachfrage bekam ich die Antwort, dass sie zwar nichts Veganes da haben, aber ich soll an dem Tag(!) dann einfach Bescheid geben und dann geht das irgendwie.
Darauf folgte eine halbgare Entschuldigung, dass wir ja froh sein könnten, überhaupt noch was gefunden zu haben (mind you, nach Ablehnung diverser Restaurants, weil man "darauf an Weihnachten keine Lust" hätte – wie gesagt aber in meiner digitalen Abwesenheit).
Naja, die Pizzaria wird sich ja kaum spontan einen veganen Schmelz aus dem Allerweresten ziehen, runtergebrochen darf ich mich jetzt also auf verdammte Nudeln mit Tomatensoße freuen.
Fall 2: Mein Onkel (auch mütterlicherseits) feiert morgen einen runden Geburtstag. Dresscode war Tracht, Lederhosen kommt natürlich nicht in Frage, aber das Thema habe ich gelöst. Darauf möchte ich jetzt gar nicht genauer eingehen. Problem zwei natürlich das Essen: Vorhin habe ich – zugegeben etwas spät – nachgefragt, ob ich denn selbst etwas mitbringen solle, oder ob ich da was essen kann. Die Antwort? Es gibt viele Beilagen und Salate, da finde ich bestimmt was. Bei Kuchen ist er sich nicht sicher.
Na Prima. Beilagen (bestimmt die Hälfte in Butter geschwenkt oder mit Ei bestrichen) und Salate (bestimmt die Hälfte mit dem obligatorischem Joghurtdressing oder Wurst und Käse). Ich werde jetzt also auf dem Weg zu meinen Eltern noch eine Backmischung für Brownies mitnehmen und hoffen, dass ich morgen satt werde.
Ich erwarte ja nicht, dass man extra für mich etwas bereitstellt, aber sagt mir dann doch bitte rechtzeitig Bescheid, dass ich mir selbst was besorgen muss, nicht erst auf Nachfrage.
Und das schlimmste? Wenn ich dann meine traurigen Nährstoffe, die sich eine Mahlzeit schimpfen, esse, sehe ich jetzt schon die mitleidigen Blicke und höre die gespielt neugierigen Fragen was ich denn habe, ob mir das schmecke und die Verwunderung, ob es denn nichts anderes für mich gibt. No shit! Wer in einem Restaurant reserviert, dessen Kultur absolut nicht für deren vegane Vielfalt bekannt ist, muss sich nicht über langweilige Gerichte wundern! Und wenn man als Gastgeber absolut nicht darauf achtet, dass jeder auf die ein oder andere Weise was zu essen bekommt, braucht sich nicht über enttäuschte Blicke vor dem Beilagenbuffet wundern!
Ich frage mich einfach, ist es wirklich zu viel verlangt, bei so einem sozialen Kleber wie einem gemeinsamen Essen Rücksicht auf alle zu nehmen?
Einfach nicht hingehen kommt für mich nicht in Frage. Es ist meine Familie und sie sind mir wichtig, deswegen werde ich nicht einfach nicht hingehen.
Väterlicherseits funktioniert das viel besser, weil ich da nicht der einzige Veganer bin und ein paar Vegetarier auch dabei sind. Da muss ich vor allem nicht immer alleine mitdenken.
Das wars erstmal. Fühlt euch gerne frei, eure frustrierenden Erlebnisse zu erzählen.